Fachtagung


Arbeit am perfekten Ich – Der Geist der Selbstoptimierung und die Folgen für die Gesellschaft

Ab sofort online zu hören hier:
Ein Audiomitschnitt von der Bundeszentrale für politische Bildung/ bpb und phil.cologne für LehrerInnen, FachwissenschaftlerInnen sowie MultiplikatorInnen der politischen Bildung

Was ist ein definierter Körper? Diese Frage stammt nicht aus der Welt der Philosophie, sie wird üblicherweise im Fitnessstudio gestellt. Unser Körper ist uns nicht mehr einfach nur gegeben, er wird geformt, er ist, wenn er weitverbreiteten ästhetischen Idealen halbwegs entsprechen soll, Produkt harter Arbeit und gelungener Selbstdisziplin. Aber: Ist diese Arbeit am besseren Ich ein Ausdruck von Autonomie oder von verinnerlichten gesellschaftlichen Zwängen? Besteht die eigentliche Fitness heute darin, ein begehrtes, einzigartiges Subjekt in einer harten, kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft zu sein?

Der Fitnesskult ist nur ein Beispiel dafür, dass Praktiken der Selbstoptimierung immer wichtiger werden. „Mache mehr aus deinem Leben, denn du hast nur eins, und ob es gelingt oder nicht, liegt allein in deiner Verantwortung“, so lautet der Imperativ, zu dem sich jeder von
uns verhalten muss. Technische Hilfsmittel wie Self-Tracking oder Neuro-Enhancement werden künftig vermutlich stark an Bedeutung gewinnen. Formen diese Praktiken nicht nur einzelne Körper, sondern die ganze Gesellschaft? Welche Vorstellungen von Autonomie, von einem guten oder verbesserten Leben beeinflussen die Lebensentwürfe von jungen Menschen?

Aufgrund der durch COVID-19 bedingten Pandemie konnte die jährliche Fachtagung im Rahmen der phil.cologne im Juni 2020 nicht wie geplant stattfinden. Dem Thema „Selbstoptimierung“ dennoch Raum gebend, haben sich die Veranstalter für eine digitale Version der Fachtagung entschieden, in Form eines Interviews und einer Diskussionsrunde. GesprächsteilnehmerInnen sind:
Dr. Isabelle Guntermann(Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln), Hannes Loh (Lehrer/systemischerBerater), Prof. Dr. Christian Neuhäuser (TU Dortmund), Prof. Dr. Jörg Scheller (Zürcher Hochschule der Künste) sowie Mariam Elewa (Schülerin des Abtei-Gymnasiums Brauweiler). Jürgen Wiebicke moderiert.

Im Interview mit Dr. Greta Wagner (TU Darmstadt) spricht Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, über die gesellschaftlichen Strukturen, welche die Entfaltung des „Geistes der Selbstoptimierung“ begründen. So wird die Thematik aus sozialwissenschaftlicher Perspektive im Spannungsfeld zwischen der „Quantifizierung des Sozialen“ (S. Mau) und der Logik einer spätmodernen „Gesellschaft der Singularitäten“ (A. Reckwitz) verortet, zwischen Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung, Effizienz und Authentizität. Die Folgen dieser scheinbar paradoxen Situation sind weitreichend und stellen insbesondere in Bildungszusammenhängen neue Herausforderungen dar: Wie ist der individuellen Spirale permanenter Enttäuschung beizukommen?
Welche Wege kann (politische) Bildung in einer zu Vereindeutigung neigenden Emotionskultur aufzeigen? Wie kann den gesellschaftlichen Konsequenzen begegnet werden?

Die GesprächspartnerInnen erörtern die gesellschaftspolitische Dimension des Themas „Selbstoptimierung“ und eröffnen Perspektiven für die praktische Bildungsarbeit.
Die digitale Ausgabe der Fachtagung finden Sie ab sofot hier und unter www.bpb.de/gesellschaft/bildung/kulturelle-bildung/.

Kooperationen

Logo BpB